Serpentin und Amphibol: die zwei Mineralgruppen des Asbests

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serpentin und amphibol
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Asbest wird in zwei Mineralgruppen eingeteilt: Serpentin und Amphibole. Das einzige Asbestmineral der Serpentingruppe ist Chrysotil (Weißasbest), dessen Fasern gekräuselt und biegsam sind. Es gibt fünf Amphibolasbeste: Amosit, Krokydolith, Anthophyllit, Tremolit und Aktinolith; ihre Fasern sind gerade und steif. Die Gruppen unterscheiden sich in Kristallstruktur und chemischer Zusammensetzung, doch alle sechs Asbestarten sind krebserregend und werden gleichermaßen als Asbest behandelt.

Dieser Artikel behandelt den Unterschied zwischen den Gruppen: was die Namen bedeuten, warum Chrysotil und Amphibole unterschiedliche Fasern haben, warum nicht alle Serpentine und Amphibole Asbest sind und was die Gruppe im Analyseergebnis bedeutet. Eigenschaften und Einsatzbereiche der einzelnen Asbestarten finden Sie auf der Seite Asbestarten.

Was bedeuten Serpentin und Amphibol?

Serpentin und Amphibol sind breite Gruppen von Silikatmineralen, keine Asbestsorten an sich. Beide Gruppen umfassen mehrere Minerale, und nur ein Teil davon kommt in der Natur in Faserform vor, also als Asbest. Asbest ist damit eine Handelsbezeichnung – die auch in Vorschriften verwendet wird – für sechs Minerale, wenn sie faserförmig kristallisiert sind. Was Faserform bedeutet, erklärt der Artikel Asbestfaser.

Die Serpentingruppe

Serpentine sind magnesiumreiche Silikate, die entstehen, wenn ein magnesiumreiches Gestein durch Wasser umgewandelt wird. Die häufigsten Minerale der Gruppe, Antigorit und Lizardit, sind nicht faserig. Serpentin, der faserförmig kristallisiert ist, ist Chrysotil – das einzige Asbestmineral der Gruppe.

Die Amphibolgruppe

Amphibole sind eine große Mineralgruppe, die in vielen Gesteinen vorkommt. Die meisten Amphibole, etwa gewöhnliche Hornblende, treten im Gestein als nicht faserige Kristalle auf. Zwei der fünf Amphibolasbeste sind unter ihren Handelsnamen bekannt: Amosit ist faseriger Grunerit und Krokydolith faseriger Riebeckit. Anthophyllit, Tremolit und Aktinolith sind Mineralnamen, die sowohl für die faserige als auch für die nicht faserige Form verwendet werden.

Warum haben Chrysotil und Amphibole unterschiedliche Fasern?

Der Unterschied liegt in der Kristallstruktur, also darin, wie die Atome im Mineral angeordnet sind.

Chrysotil: Röhren aus eingerollten Schichten

Die Kristallstruktur von Chrysotil besteht aus dünnen Schichten, die nicht ganz flach aufeinander liegen, sondern sich einrollen. Das Ergebnis ist eine hohle, röhrenförmige Fibrille. In Bündeln sind Chrysotilfasern weich, biegsam und oft gekräuselt; man konnte sie sogar spinnen und zu Textilien verweben.

Amphibole: gerade Nadeln aus der Kettenstruktur

Die Kristallstruktur der Amphibole beruht auf Doppelketten, die in Längsrichtung des Kristalls verlaufen. Der Kristall spaltet entlang der Ketten, und die Fasern werden gerade, steif und nadelförmig. Aus den Bündeln lösen sich gerade Fasern, die sehr dünn sein können.

Der chemische Unterschied

Chrysotil ist ein Magnesiumsilikat. Die Zusammensetzung der Amphibolasbeste ist von Art zu Art verschieden:

  • Anthophyllit: Magnesium und Eisen
  • Tremolit: Calcium und Magnesium
  • Aktinolith: Calcium, Magnesium und Eisen
  • Amosit: viel Eisen sowie Magnesium
  • Krokydolith: Natrium und Eisen

Genau diese Unterschiede in den Elementen ermöglichen es dem Labor, die Asbestarten auseinanderzuhalten.

Spielt die Gruppe für das Gesundheitsrisiko eine Rolle?

Amphibolfasern bleiben nachweislich länger in der Lunge als Chrysotilfasern, und vor allem das Mesotheliomrisiko gilt bei Amphibolasbest als höher als bei Chrysotil. Ungefährlich macht dieser Unterschied Chrysotil aber nicht. Alle sechs Asbestarten sind krebserregend, und die Arbeitnehmerschutzvorschriften für Asbestarbeiten, über die die Arbeitsinspektion wacht, gelten unabhängig von der Asbestart. Wenn Sie befürchten, exponiert worden zu sein, sprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt.

Serpentin und Amphibol in Gebäuden

Chrysotil ist die häufigste Asbestart in Baustoffen. Er wurde zum Beispiel in Asbestzement (Eternit), Vinyl-Bodenplatten, Klebern und Dachpappe verwendet. Amosit und Krokydolith wurden vor allem in Spritzisolierungen und im Brandschutz sowie in der Industrieisolierung eingesetzt. Tremolit und Aktinolith waren keine wichtigen Handelswaren, können aber als Verunreinigung in anderen Mineralen vorkommen.

An der Art des Materials lässt sich nicht erkennen, welche Gruppe es enthält, und dieselbe Probe kann mehrere Asbestarten enthalten. Über natürliche Vorkommen lesen Sie im Artikel Asbest in der Natur.

Warum ist die nicht faserige Form ein wichtiger Unterschied?

Da dasselbe Mineral im Gestein auch in nicht faseriger Form vorkommen kann, kann gebrochenes Gesteinsmaterial oder Gesteinsstaub zum Beispiel Partikel von Tremolit, Aktinolith oder Anthophyllit enthalten, die keine Asbestfasern sind. Der Mineralname allein sagt also nicht, ob es sich um Asbest handelt. Im Labor entscheiden sowohl die Form des Partikels als auch seine chemische Zusammensetzung.

Wie unterscheidet das Labor Serpentin von Amphibolen?

Semlab untersucht die Proben mit dem JEOL SEM-EDS Elektronenmikroskop nach der Norm ISO 22262-1. Die Identifizierung beruht auf zwei Dingen:

  1. Form: Im Bild des Elektronenmikroskops ist zu sehen, ob die Fasern gekräuselte, biegsame Bündel oder gerade, steife Nadeln sind und ob sie die Proportionen einer Faser haben.
  2. Zusammensetzung: Die Elementanalyse (EDS) misst die Gehalte an Magnesium, Silizium, Eisen, Calcium und Natrium in der Faser. Aus ihrem Verhältnis geht hervor, ob die Faser Chrysotil oder einer der fünf Amphibolasbeste ist.

Die Unterschiede zwischen den Methoden vergleicht der Artikel Analysemethoden für Asbest.

Was bedeutet die Gruppe im Ergebnis?

Sie erhalten das Ergebnis auf Deutsch per E-Mail, üblicherweise am selben Tag, an dem die Probe im Labor eintrifft. Darin steht, ob in der Probe Asbest nachgewiesen wurde und wenn ja, welche Asbestart. Aus der Art geht zugleich hervor, zu welcher Gruppe der Fund gehört.

  • Chrysotil nachgewiesen: Das Material enthält Asbest. Abbruch und Bearbeitung werden als Asbestarbeit geplant.
  • Amphibolasbest nachgewiesen: Die Maßnahmen sind dieselben. Den Abbruch übernimmt eine für Asbestsanierungen qualifizierte Firma.
  • Kein Asbest nachgewiesen: Das Ergebnis gilt für die Entnahmestelle und gleiches Material. Andere Materialien werden gesondert untersucht.

Die praktischen Maßnahmen hängen also nicht davon ab, ob der Fund Serpentin oder Amphibol ist. Die nächsten Schritte beschreibt der Artikel Positives Asbestergebnis, die Probenahme der Artikel So nehmen Sie eine Asbestprobe.

Was kostet eine Asbestanalyse?

Die Analyse kostet 39,90 € + USt. pro Probe, also 50,07 € inkl. USt. (finnische USt. 25,5 %), und der Preis pro Probe ist für 1–100 Proben gleich. Das Porto ist nicht enthalten. Sie können die Analyse online bestellen, per Karte bezahlen und die Probe als kleines Paket (Päckchen/Paket) mit der Österreichischen Post ans Labor schicken.

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