Fliesenkleber ist in älteren Häusern eine der häufigsten Asbestquellen. Vor allem der Kleber hinter Wand- und Bodenfliesen in Bad und Küche enthält oft Asbest, wenn die Fliesen vor dem österreichischen Asbestverbot von 1990 verlegt wurden. In diesem Artikel erklären wir, warum Fliesenkleber ein Risikomaterial ist und wie Sie herausfinden, ob er Asbest enthält.
Warum steckt Asbest im Fliesenkleber?
Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Fliesenklebern Asbest beigemischt, um ihre technischen Eigenschaften zu verbessern. Die Asbestfasern machten den Kleber fester, elastischer und hitzebeständiger. Diese Eigenschaften waren besonders in Nassräumen wie Bad und Küche gefragt, wo der Kleber Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit aushalten musste.
Asbest wurde in Fliesenklebern bis zum Verbot verwendet. Am stärksten war der Einsatz in den 1960er- und 1970er-Jahren, als ein großer Teil der heutigen Mehrparteienhäuser und Einfamilienhäuser gebaut wurde.
Fliese oder Fliesenkleber?
Wichtig ist: Die Wand- und Bodenfliesen selbst enthalten meistens keinen Asbest. Das Risiko liegt im Kleber zwischen Fliese und Wand oder Boden. Es reicht also nicht, eine Fliese abzulösen und sie untersuchen zu lassen – die Probe muss aus dem Kleber genommen werden.
Oft löst man bei der Renovierung eine Fliese ab und lässt sie untersuchen, während der Kleber dahinter unbeachtet bleibt. Das ist ein häufiger und bedauerlicher Fehler, denn gerade der Kleber enthält am wahrscheinlichsten Asbest.
So nehmen Sie eine Probe vom Fliesenkleber
Um eine Probe vom Fliesenkleber zu nehmen, müssen Sie eine Fliese lösen. Hebeln Sie die Fliese vorsichtig mit einem Meißel oder Messer ab. Ist die Fliese gelöst, kratzen oder meißeln Sie ein Stück des Klebers ab. Die Probe sollte etwa 2–5 Zentimeter groß sein.
Tragen Sie bei der Probenahme eine Atemschutzmaske der Klasse FFP3 und Schutzhandschuhe. Gehen Sie nicht zu grob vor, da das unnötig Staub erzeugt. Geben Sie die Probe in einen wiederverschließbaren Plastikbeutel und beschriften Sie deutlich, aus welchem Material und von welcher Stelle die Probe stammt.
Fliesenkleber in Bad und Küche
Bad und Küche sind die häufigsten Orte mit asbesthaltigem Fliesenkleber. In beiden Räumen gibt es viele Fliesen an Wänden und Böden, und der Kleber unter jeder Fläche kann aus einer anderen Zeit stammen und anders zusammengesetzt sein.
Im Bad ist der Fliesenkleber besonders heikel, weil der Abbruch in einem engen Raum viel Staub erzeugt. In der Küche werden bei einer Renovierung oft der Fliesenspiegel über der Arbeitsplatte und der Fliesenboden entfernt. In beiden Fällen muss der Kleber vor dem Abbruch untersucht werden.
Was passiert, wenn der Fliesenkleber Asbest enthält?
Zeigt die Analyse Asbest im Fliesenkleber, sind das Abschlagen der Fliesen und das Entfernen des Klebers als Asbestsanierung durchzuführen. Das bedeutet, dass die Arbeiten von einer auf Asbestsanierung spezialisierten Fachfirma mit den richtigen Schutzmaßnahmen ausgeführt werden – Abschottung, Unterdruck und persönliche Schutzausrüstung.
Eine Asbestsanierung ist für Fachleute Routinearbeit und lässt sich in den Zeitplan der Renovierung einplanen. Die Kosten sind angemessen im Verhältnis zur Sicherheit, die eine fachgerechte Sanierung bietet. Asbesthaltigen Kleber stattdessen ohne Schutzmaßnahmen abzuschleifen oder abzustemmen ist gefährlich und verstößt gegen die Vorschriften, über die die Arbeitsinspektion wacht.
Zusammenfassung
Fliesenkleber ist in älteren Häusern eine häufige Asbestquelle. Bevor Sie Wand- oder Bodenfliesen abschlagen, sollte der Kleber durch eine Laboranalyse untersucht werden. Die Probe wird aus dem Kleber genommen, der nach dem Lösen einer Fliese sichtbar ist, dicht verpackt und an das Labor geschickt. Anhand des Ergebnisses wissen Sie, wie der Abbruch sicher durchzuführen ist.
