Wer ein älteres Haus besitzt, kennt die Sorge um Asbest, vor allem wenn eine Renovierung ansteht. In Österreich wurde Asbest 1990 verboten. Daher können praktisch alle Häuser, die vor 1990 gebaut oder renoviert wurden, asbesthaltige Materialien enthalten – etwa Eternit-Platten aus Asbestzement. In diesem Artikel gehen wir durch, was Sie als Besitzerin oder Besitzer eines älteren Hauses wissen und prüfen sollten.
Typische Asbeststellen in verschiedenen Jahrzehnten
Der Einsatz von Asbest war je nach Jahrzehnt unterschiedlich. In Häusern aus den 1950er-Jahren und früher steckt Asbest vor allem in Rohrisolierungen, Eternit-Platten und rund um Feuerstellen. In Häusern aus den 1960er-Jahren sind Fliesenkleber, Bodenbelagskleber, PVC-Beläge und Spachtelmasse typische Asbestmaterialien.
In Gebäuden aus den 1970er-Jahren findet man Asbest oft an denselben Stellen wie in Häusern aus den 1960er-Jahren, zusätzlich aber in Akustikplatten und in der Dämmung von Lüftungskanälen. Auch in den 1980er-Jahren wurden bis zum Verbot noch asbesthaltige Materialien verbaut, zum Beispiel Fliesenkleber, Spachtelmasse, Asbestzementplatten und Rohrisolierungen.
Was sollten Sie vor der Renovierung prüfen?
Bevor die Renovierung beginnt, sollten Sie klären, welche Materialien vom Abbruch betroffen sind. Prüfen Sie besonders Folgendes: Fliesenkleber und Fugenmörtel im Bad, Spachtelmasse an den Wänden, PVC-Beläge am Boden und den Kleber darunter, Rohrisolierungen, Dachmaterialien wie Eternit und Dachpappe sowie Wandplatten. All diese Materialien können Asbest enthalten.
Ein guter Anfang ist, das Baujahr des Hauses herauszufinden und ob das Haus vor dem Verbot von 1990 renoviert wurde. Wurde das Haus mehrmals renoviert, können Materialien aus verschiedenen Zeiten übereinanderliegen.
Eine praktische Vorgehensweise
Eine Asbestabklärung in einem älteren Haus bedeutet nicht, dass alle Materialien auf einmal untersucht werden müssen. Am praktischsten ist es, die Materialien zu untersuchen, die von der Renovierung betroffen sind. Planen Sie zum Beispiel eine Badsanierung, nehmen Sie Proben von den Materialien im Bad. Soll der Boden erneuert werden, untersuchen Sie den Bodenbelag und den Kleber darunter.
Diese gezielte Vorgehensweise ist kostengünstig und reicht in den meisten Fällen aus. Eine umfassendere Erkundung des ganzen Hauses ist erst nötig, wenn das ganze Haus generalsaniert oder abgerissen werden soll.
Intakte Materialien im Vergleich zu Materialien, die entfernt werden
Wichtig ist: Intakte asbesthaltige Materialien in einer Konstruktion stellen keine unmittelbare Gefahr dar. Schädlich wird Asbest erst, wenn das Material beschädigt wird und Fasern in die Atemluft gelangen. Deshalb ist eine Asbestabklärung gerade vor Abbrucharbeiten besonders wichtig.
Wenn Sie nicht renovieren, sondern überlegen, ein älteres Haus zu kaufen, können Sie den Verkäufer fragen, ob bereits Asbestabklärungen durchgeführt wurden. Eine gewöhnliche Besichtigung oder Bauzustandsprüfung beim Hauskauf umfasst Asbest oft nicht, daher lohnt es sich, das gesondert zu prüfen.
Besonderheiten bei Einfamilien- und Reihenhäusern
In Einfamilienhäusern kann Asbest an vielen Stellen vorkommen, da das Haus im Lauf der Jahrzehnte oft mehrmals renoviert wurde. Bei jeder Renovierung können asbesthaltige Materialien verwendet worden sein, sodass die Konstruktionen mehrere asbesthaltige Schichten übereinander haben können.
Bei Reihenhäusern ist die Lage oft ähnlich, zusätzlich sind aber die Bauteile zu berücksichtigen, für die die Eigentümergemeinschaft zuständig ist, zum Beispiel Fassaden, gemeinsame Leitungen und Dachkonstruktionen. Die Hausverwaltung bzw. die Eigentümergemeinschaft sollte die Asbestfrage vor gemeinsamen Renovierungsprojekten klären.
Wie gehen Sie weiter vor?
Wenn Sie ein älteres Haus besitzen und renovieren möchten, klären Sie zuerst, ob die Materialien, die entfernt werden sollen, Asbest enthalten. Nehmen Sie eine Probe des Materials, verpacken Sie sie und schicken Sie sie an das Labor. Anhand des Ergebnisses wissen Sie, ob Sie mit einem gewöhnlichen Abbruch weitermachen können oder die Hilfe einer auf Asbestsanierung spezialisierten Fachfirma brauchen.
Ein älteres Haus ist kein Problem – es ist eine Chance. Wenn Sie wissen, welche Materialien in den Konstruktionen stecken, können Sie die Renovierung sicher und effizient planen. Eine Asbestanalyse ist eine kleine Investition, die Sicherheit und Seelenruhe bringt.
